„Norisring ist immer hop oder top“: Andreas Pfister fuhr im letzten Jahr mit einem
reichlich verbeulten Auto nach Hause, diesmal durfte der Unterfranke einen triumphalen Sieg auf seinem Autodach bejubeln.
Seine Augen lachten nicht nur, sie strahlten. Voller Glück. Als Andreas Pfister am frühen Sonntagmorgen den ersten Heimsieg am Norisring perfekt gemacht hatte, drückte und herzte er jeden, der ihm in den Weg kam. Vater Alois, die Mechaniker, selbst die Konkurrenten sollten sich mit ihm freuen. Gerade hatte er im Seat Leon Supercopa das Rennen seines Lebens abgeliefert.
Mit Superlativen ist der Franke an sich ja eher vorsichtig. Wer weiß schließlich, was da noch alles kommt? Andreas Pfister ist da keine Ausnahme. Im Herzen Unterfrankens ist er groß geworden. Dort, wo sie die letzten Buchstaben einer Satzendung grundsätzlich weglassen. So, als ob man damit Geld sparen würde. Die Eltern haben ein Autohaus im kleinen Obersfeld. Er selbst fährt mit gerade mal neun Jahren erstmals ein Go- Kart. Michael Schumacher hat auch so angefangen. Doch nicht jedes Talent bekommt das schwierige Puzzle, das eine Fabel-Karriere verheißt, so zusammengesetzt wie der Rekordweltmeister. Potenzial ist das eine, wirklich wichtig aber ist die geballte Finanzkraft ausdauernder Sponsoren. Pfister hat sein Puzzle noch nicht zusammen, der ADAC Nordbayern unterstützt sein Team, in dem alle zusammenhelfenmüssen und umsonst arbeiten. Sein Ehrgeiz ist deswegen nicht minder groß. Nur eben für sich, im stillen Kämmerlein. Understatement heißt das neudeutsch, bei Pfisters nennt man das ganz bescheiden Zurückhaltung.
Vor dem Norisring war das nicht anders. „Ein Platz unter den besten fünf“, gab der schmächtige 22-Jährige, der für alle nur der „Andi“ ist, als Marschroute aus. Fast schon ein Gefühlsausbruch für seine Verhältnisse. Aber schon da blitzen die Augen: erwartungsfroh, kämpferisch. Innendrin wird es bereits gebrodelt haben. Das Adrenalin, das jeden Fahrer fast traumwandlerisch sicher den schmalen Grat zwischen Berechnung und Risiko bewältigen lässt, schaukelte sich hoch. Das Bild eines kühlen Rechners verbarg er da perfekt. Doch Pfister entpuppte sich als Taktik-Fuchs. Platz sechs im ersten Rennen des Wochenendes verteidigte er mit allem, was er hatte. Mehr musste es nicht sein. Logisch. Sein Lächeln verriet mehr, als er dazu sagen wollte. „Das Feld ist sehr nah beieinander. Aber wenn es eine Möglichkeit gibt, greife ich an.“ Im zweiten Rennen darf der Sechstplatzierte schließlich von der Pole Position aus starten.
Eine Regelung, die es in einem ohnehin schon komprimierten Fahrerfeld noch etwas spannender macht. Sechs verschiedene Sieger in den bisherigen sieben Rennen sprechen für die Ausgeglichenheit des Seat-Markenpokals. Hier kann jeder gewinnen. Pfister wird sich genau das immer und immer wieder gesagt haben. Nach einer von Rückschlägen gekennzeichneten Saison, die er inzwischen als „Lernjahr“ abhakt hat. Seine Stunde sollte kommen. Ausgerechnet am Norisring.
Wobei der Tag, an dessen Ende noch immer ausgelassen gefeiert wurde, mit einem Schock begann. Alles war bereits abgestimmt, als Pfister frühmorgens von einem heftigen Regenguss geweckt wurde. Tropfen so dick wie Golfbälle sollen heruntergekommen sein. Wie alle Mitstreiter blieb er aber zunächst bei Reifen ohne Profil. Ein rutschiger Versuch, die Konkurrenz hoffte auf eine Strecke, die schnell abtrocknen würde. Pfister ließ als einziger kurzfristig noch Regenreifen aufziehen. Was in den Minuten danach folgen sollte, kam einer Triumphfahrt gleich.
Tatsächlich hatte er eine Chance erkannt, die alle anderen liegen ließen. In einem Pokerspiel blieb er als Letzter am Tisch sitzen. Alle anderen eierten herum wie auf Schmierseife, der Unterfranke aber bewegte seinen Boliden mit den 300 Pferdestärken traumwandlerisch sicher wie auf Schienen. Diesmal würde ihn nichts aufhalten, war ihm schnell klar.
Es war einer jener Momente, den Sportler nie vergessen werden. Diese Sekunden in aller Öffentlichkeit, die aber nur für einen ganz persönlich reserviert sind. Pfister inhalierte den süßen Duft des Sieges, sein erster in zwei Jahren. Für ihn wird das Ansporn und Verpflichtung gleichermaßen sein. Gewonnen hat er, aber nicht nur für sich. „Alles steht und fällt bei uns mit dem Teamgeist. Jetzt wissen die ganzen ehrenamtlichen Helfer, warum sie das machen.“ Ein Wochenende zum Vergessen war es dagegen für die beiden anderen Franken im Feld. Der Röttenbacher Elia Erhart kam im ersten Lauf auf Platz neun, in Durchgang zwei gar nur auf Rang 13. Ferenc Nagy aus Nürnberg hatte im ersten Rennen einen heftigen Unfall und konnte zum zweiten nicht mehr antreten.




